Minderung bedeutet: das Zuviel beschneiden; Vermehrung bedeutet: dem Mangel aufhelfen.
Die „drei Wanderer“ beziehen sich auf die drei Yang-Linien unten und die drei Yin-Linien oben: Wandern die drei Yang-Linien zusammen, so mindert man die Neun an dritter Stelle, um die Oberste zu mehren; wandern die drei Yin-Linien zusammen, so mindert man die Sechs ganz oben, um zur Dritten zu werden: „Wandern drei Menschen, so mindert sich einer.“ Dass das Obere das Harte gegen das Weiche eintauscht, nennt man Minderung, doch meint dies lediglich, dass einer abgezogen wird.
Obgleich die Oberste und die Dritte ursprünglich einander entsprechen, bilden durch das Steigen und Sinken beider Linien alle Striche des Hexagramms Paare, die einander beistehen: Die Erste und die Zweite sind zwei Yang-Linien, die Vierte und die Fünfte zwei Yin-Linien – wesensgleich halten sie Nachbarschaft; die Dritte und die Oberste entsprechen einander.
Wo immer zwei zueinanderhalten, ist der Wille ungeteilt; beide finden ihren Gefährten. Obwohl die Dritte der Vierten benachbart ist, gehört sie einem anderen Trigramm an und entspricht der Obersten – sie wandert nicht mit jener im selben Schritt.
Bei dreien mindert sich einer; bei einem allein findet man den Gefährten. Nichts auf Erden besteht ohne das Gegenüber: Das Eine und das Zweite stehen einander gegenüber – darin liegt der Ursprung allen Werdens und Lebens!
Die Drei aber ist ein Zuviel und muss gemindert werden; dies ist der tiefe Sinn von Minderung und Mehrung.
Der Meister hat im Xici-Kommentar diesen Sinn vollends erhellt: „Himmel und Erde wirken in inniger Dichte aufeinander ein, und alle Wesen wandeln sich in lauterer Fülle; Mann und Weib vereinigen ihre Lebenskraft, und alle Wesen entstehen durch Wandlung.
Im Buch der Wandlungen heißt es: Wandern drei Menschen, so mindert sich einer; wandert ein Mensch allein, so findet er seinen Gefährten.
Dies spricht davon, den Sinn auf das Eine zu richten.“ Innige Dichte beschreibt die enge Verflechtung: Wenn die Kräfte von Himmel und Erde sich eng verbinden, vollzieht sich die Schöpfung aller Wesen in lauterer Reinheit; lauter meint tief und ungeteilt.
Wenn die Kräfte von Mann und Weib sich vereinen, wandeln und gebären sich alle Wesen. Allein durch reine, ungeteilte Hingabe vermag Leben zu entstehen. Ein Yin und ein Yang – wie dürften es drei sein?
Darum muss die Drei gemindert werden: Dies mahnt, den Sinn restlos auf das Eine zu richten. Zwischen Himmel und Erde gibt es kein klareres und gewaltigeres Zeichen für Minderung und Mehrung als dieses.