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Hexagramm des Tages Dienstag, 4. August 2026: #62 Das kleine Übergewicht (小过)

Jeder Kalendertag entspricht deterministisch einem Hexagramm: seine Position in einer durchlaufenden 64-Tage-Rotation durch die König-Wen-Folge. Kein Wurf, kein Zufall.

Deutung

Das Hexagramm 62 (Xiao Guo – Des Kleinen Übergewicht) beschreibt eine Phase, in der Bescheidenheit und sorgfältige Detailarbeit gelingen, während expansive Großprojekte auf Widerstand stoßen. Die traditionelle Lehre empfiehlt, wie ein Vogel im Sinkflug die Flughöhe zu verringern und auf Achtsamkeit, Demut und Mäßigung zu setzen.

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I-Ging-/BaZi-Lesungsanfrage (von eastalmanac.com).
Page: Daily hexagram 2026-08-04: #62 Das kleine Übergewicht.
Interpretieren Sie dies in zwei Schichten: 1) Strukturelle Evidenz: Dynamik der Linien oder Elementbalance. 2) Praktisches Urteil: klare, direkte Antwort auf die Frage, gefolgt von 2–3 konkreten Handlungsschritten (mit Verben beginnend) und besonnener Vorsicht. Weisheit zur Selbstreflexion. Quellseite:
https://eastalmanac.com/de/daily-hexagram/2026-08-04/

BaZi-Karte

Die energetische Konstellation zeigt ein leichtes Überwiegen nachgiebiger Yin-Kräfte über impulsive Yang-Impulse, was für eine Phase der Festigung und gegen unbedachte Expansion spricht.

In der klassischen BaZi-Betrachtung wird empfohlen, das bestehende Fundament zu stärken, anstatt voreilige strukturelle Umbrüche herbeizuführen. Konzentrieren Sie sich auf routinierte Kernaufgaben, um Ihre Stabilität dauerhaft zu sichern.

Westliches Geburtshoroskop

Astrologisch spiegelt sich ein Zustand erhöhter Zurückhaltung und verlangsamter äußerer Dynamik wider, der von forcierten Vorstößen abrät.

Die traditionelle Deutung sieht darin den Hinweis, dass das Ankämpfen gegen äußere Hemmnisse unnötige Reibung erzeugt, während die Hinwendung zum Konkreten Ruhe stiftet. Bleiben Sie mit Ihren Erwartungen auf dem Boden und widmen Sie sich sorgfältig den anstehenden Kleinigkeiten.

I-Ging-Befragung

Mit Donner über dem Berg symbolisiert Xiao Guo eine kraftvolle Bewegung, die auf unerschütterlicher Ruhe ruht und Erfolg im Kleinen verspricht, Großes jedoch bremst.

Das klassische Urteil betont, dass ein Absteigen Glück bringt, während eigenmächtiges Aufstreben scheitert, wobei leichte Übertreibung in Höflichkeit und Sparsamkeit geraten wird.

Wer eine zurückhaltende Haltung einnimmt und alltägliche Aufgaben gewissenhaft meistert, bewegt sich sicher durch diese Phase.

Karriere

Im beruflichen Umfeld zahlen sich akribische Ausführung und Loyalität zu bestehenden Abläufen weit mehr aus als das Forcieren eigener Großinitiativen.

Die klassische Auslegung regt an, Vorgesetzten und Kollegen mit besonderem Respekt sowie feinfühliger Zurückhaltung zu begegnen, um Missverständnisse zu vermeiden. Erledigen Sie Ihre laufenden Pflichten mit größter Sorgfalt, anstatt sich vorschnell in den Mittelpunkt zu drängen.

Reichtum

Finanzielle Angelegenheiten erfordern gegenwärtig eine defensive Grundhaltung, strenge Ausgabendisziplin und den Verzicht auf spekulative Risiken. Traditionelle Überlieferungen heben hervor, dass ein betont sparsamer Umgang mit Mitteln die eigene Handlungsfähigkeit bewahrt.

Eine vorsichtige Haushaltsführung und die genaue Kontrolle des laufenden Budgets bieten derzeit den besten Schutz vor Engpässen.

Liebe & Beziehungen

Zwischenmenschliche Bindungen vertiefen sich jetzt durch unaufgeregte Fürsorge und aufmerksame Gesten im Alltag statt durch dramatische Inszenierungen.

Nach überlieferter Beziehungslehre beugt eine sanfte, besonnene Kommunikation der Gefahr vor, dass kleine Reibereien zu größeren Konflikten anwachsen. Zeigen Sie Verständnis in den kleinen Dingen des Zusammenlebens, um gegenseitiges Vertrauen nachhaltig wachsen zu lassen.

Gesundheit

Auf körperlicher und mentaler Ebene empfiehlt sich ein ausgewogener Rhythmus, um Verspannungen oder nervliche Erschöpfung durch Überarbeitung rechtzeitig abzufedern.

Die klassische Gesundheitslehre rät zu sanfter Bewegung, Phasen der Stille und dem Meiden extremer Belastungsspitzen. Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und pflegen Sie regelmäßige Gewohnheiten, um Ihre innere Balance zu bewahren.

Persönliches Wachstum

Die persönliche Weiterentwicklung profitiert nun von stiller Selbstreflexion und dem Verfeinern handwerklicher Fertigkeiten abseits des Rampenlichts.

Die traditionelle Philosophie sieht in Bescheidenheit und Sparsamkeit wertvolle Werkzeuge, um eigene blinde Flecken zu erkennen und Reife zu gewinnen. Feilen Sie geduldig an Ihren Fähigkeiten im Verborgenen, denn daraus entsteht die Kraft für künftige Schritte.

Kompatibilität

Im Umgang mit Partnern und Gefährten ist aufmerksames Zuhören und kompromissbereite Milde gefragt, wenn unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen.

Klassische Harmoniekonzepte weisen darauf hin, dass Grundsatzdebatten derzeit entzweien, während pragmatische Zusammenarbeit bei konkreten Aufgaben verbindet.

Klären Sie praktische Absprachen sachlich und meiden Sie unnötige Grundsatzdiskussionen, um das Miteinander entspannt zu halten.

Schicksalsphasen

Der übergeordnete Lebensabschnitt verlangt nach Konsolidierung, struktureller Anpassung und dem genauen Einhalten gegebener Rahmenbedingungen.

Aus Sicht traditioneller Zyklenlehren schont die bewusste Akzeptanz äußerer Grenzen die eigenen Kräfte weit mehr als das Aufbäumen gegen bestehende Verhältnisse. Wenn Sie sich flexibel den Vorgaben anpassen, bauen Sie im Hintergrund verlässliche Substanz auf.

Jahreslesung

Die Jahrestendenz ist von administrativer Kleinarbeit und einer Vielzahl kleinteiliger Pflichten geprägt, die Geduld und Präzision erfordern.

Das klassische Jahresurteil empfiehlt den Weg des geringsten Widerstands nach unten, da schrittweises Abarbeiten deutlich verlässlichere Resultate bringt als überdimensionierte Pläne.

Bewältigen Sie die Routineaufgaben Schritt für Schritt, um das Jahr geordnet und stabil zu durchlaufen.

Namensanalyse

Trägt ein Namensgefüge übermäßig forsche oder scharfe energetische Akzente, empfiehlt die Lehre dieses Zeichens einen Ausgleich durch erdende, sanfte und zurückhaltende Schwingungen.

Die traditionelle Namensbetrachtung sieht in maßvollen Schriftzeichen ein Mittel, um Impulsivität abzumildern und Bedachtsamkeit zu fördern. Ruhige, ausgleichende Namensqualitäten stärken eine besonnene Haltung im alltäglichen Handeln.

Datumswahl

Günstige Zeitpunkte eignen sich vor allem für Inventuren, Aktenbereinigungen, abschließende Korrekturen und ruhige Einkehr, nicht jedoch für feierliche Eröffnungen oder weitgreifende Verträge.

Historische Almanach-Traditionen bevorzugen für diese Phase neutrale, unaufgeregte Tage der Bestandsaufnahme. Nutzen Sie den gewählten Moment für gründliche Überprüfungen, um Fehlerquellen zuverlässig auszuschließen.

Feng Shui

Die Gestaltung der Räume sollte auf Ruhe, Geborgenheit und das Dämpfen übermäßiger Unruhe im Wohnbereich ausgerichtet sein.

Gemäß klassischer Raumlehre empfiehlt es sich, Eingangszonen und Raumzentren aufgeräumt und dezent beleuchtet zu halten, damit das Qi nicht hektisch zerstreut wird. Ein geordnetes, stilles Wohnumfeld fördert die geistige Sammlung und das persönliche Wohlbefinden.

Referenzen

Originaltext

Urteil

Das kleine Übermaß: Gelingen. Förderlich ist Beharrlichkeit. Kleines darf getan werden, Großes darf nicht getan werden. Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf: Nicht aufzusteigen, sondern hinabzusteigen ist geraten. Großes Heil.

Tuan-Kommentar

Das kleine Übermaß: Das Kleine geht über das Maß hinaus und erlangt Gelingen. Dass das Übermaß förderlich durch Beharrlichkeit ist, bedeutet, im Einklang mit der Zeit zu handeln. Das Weiche hat die Mitte erlangt, darum bringt Kleines Heil.

Das Feste hat seine Position verfehlt und ist nicht in der Mitte, darum darf nichts Großes getan werden.

Es liegt das Bild des fliegenden Vogels darin; der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf: »Nicht aufzusteigen, sondern hinabzusteigen ist geraten, großes Heil«; denn Aufsteigen läuft der Ordnung zuwider, Hinabsteigen folgt ihr.

Großes Bild

Donner über dem Berg: Das kleine Übermaß. Der Edle übertreibt danach im Verhalten an Ehrfurcht, in der Trauer an Schmerz, im Aufwand an Sparsamkeit.

Klassischer Kommentar

Zhouyi BenyiUrteil

„Das Kleine“ bezeichnet das Yin. Als Gua betrachtet, stehen vier Yin-Linien außen und zwei Yang-Linien innen; das Yin ist zahlreicher als das Yang, das Kleine hat das Übergewicht.

Da es das Yang übertrifft, vermag es Gelingen zu bringen; doch ist es unabdingbar vorteilhaft, Beharrlichkeit zu bewahren, weshalb man keineswegs unvorsichtig sein darf.

Die zweite und die fünfte Linie des Gua haben durch ihre Nachgiebigkeit beide die Mittlere Position (dezhong) erlangt; daher sind kleine Dinge ausführbar.

Die dritte und die vierte Linie verfehlen beide durch ihre Festigkeit die Richtige Position (dangwei) und stehen nicht in der Mitte; daher darf man keine großen Dinge ausführen.

Die Struktur des Gua ist innen voll und außen leer, gleichwie ein fliegender Vogel: Sein Laut neigt sich nach unten und strebt nicht nach oben.

Daher vermag es dem Bild des fliegenden Vogels zu entsprechen, der seinen Ruf hinterlässt; es ziemt sich somit, unten zu verharren, was großes Heil bringt, und dies gehört gleichermaßen zur Art dessen, dass man keine großen Dinge tun soll.

Zhouyi BenyiTuan-Kommentar

Anhand der Gestalt des Gua werden der Name, die Bedeutung und die Urteilssprüche des Gua erklärt: Mit Blick auf die zweite und fünfte Linie erklärt; mit Blick auf die dritte und vierte Linie erklärt; mit Blick auf die Gestalt des Gua als Ganzes erklärt.

Zhouyi BenyiGroßes Bild

Über dem Berg ist Donner, sein Grollen ist ein kleines Übermaß. Bei diesen dreien liegt das Übermaß jeweils im Kleinen: Man darf im Kleinen das Maß überschreiten, aber nicht im Großen; man darf sich ein geringes Übermaß erlauben, doch kein maßloses Übertreiben.

Dies ist es, was der Tuan-Kommentar meint mit: ‚Kleine Dinge dürfen getan werden, und es ziemt sich, unten zu bleiben‘.

Yichuan YizhuanUrteil

Im Xugua-Kommentar zu Xiaoguo heißt es: Wer Vertrauen besitzt, wird gewiss danach handeln; darum empfängt er es mit Xiaoguo. Was der Mensch im Glauben festhält, das setzt er gewiss ins Werk; tut er dies, kommt es zum Übermaß.

So folgt Xiaoguo auf Die innere Wahrheit (alt: Zhōng Fú) (hexagram-61). Als Gua steht der Donner auf dem Berg; er grollt in der Höhe, und sein Laut übertrifft das Gewöhnliche, daher heißt es Xiaoguo.

Zudem nimmt das Yin die erhabene Stellung ein, während das Yang seine Stellung verfehlt und nicht in der Mitte steht; so übersteigt das Kleine seine gewohnte Schranke.

Dies meint: das Kleine hat das Übergewicht; ferner: im Verrichten kleiner Dinge liegt ein Übermaß; und schließlich: das Maß wird nur geringfügig überschritten. Überschreiten bedeutet, das gewohnte Maß zu übertreffen.

Es gleicht dem Biegen eines Krummen über die Richtschnur hinaus, um es geradezurichten; das Übermaß dient mithin dazu, das Rechte zu erreichen.

Die Dinge fordern zuzeiten ein solches Vorgehen: Manch ein Werk verlangt ein Übermaß, ehe es gelingen kann; darum wohnt dem kleinen Übergewicht von Natur aus die Bedeutung des Gelingens inne.

‚Fördernd ist Beharrlichkeit‘ besagt: Der Weg des Übermaßes ist dann gedeihlich, wenn man die Beharrlichkeit wahrt; die Angemessenheit der Zeit nicht zu verfehlen, das nennt man Rechtsein. Das Überschreiten dient dem Streben nach der Mitte.

Was überschritten wird, sind geringe Angelegenheiten; wie dürfte man sich je in großen Dingen ein Übermaß gestatten? Dies wurde bei Daguo ausführlich erörtert. ‚Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf‘ besagt, dass das Übermaß sich nicht allzu weit entfernen darf.

‚Es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben‘ bedeutet, dass man sich fügen soll. Wer sich fügt, erlangt großes Heil. Wenn das Übermaß gewählt wird, um das Rechte zu erlangen, so geschieht dies im Einklang mit der Vernunftordnung.

Wer das Maß überschreitet und sich zugleich der rechten Vernunft fügt, dessen Heil wird gewiss groß sein.

Yichuan YizhuanTuan-Kommentar

Das Yang ist groß, das Yin ist klein.

Das Yin hat seine Stellung erlangt, während die feste Kraft die Richtige Position (dangwei) eingebüßt hat und nicht in der Mitte steht: Dies bedeutet, dass das Kleine das Übergewicht hat; daher heißt es, bei kleinen Dingen gebe es ein Übermaß, und das Überschreiten bleibe gering.

Das Kleine und die kleinen Dinge verlangen bisweilen nach einem Übermaß, doch das Hinausgehen bleibt klein; daher heißt es Xiaoguo. Die Dinge erfordern bisweilen ein Übermaß, bevor sie gelingen können; darin gründet die Fähigkeit des Übermaßes, Gelingen zu bringen.

‚Das Übermaß ist förderlich durch Beharrlichkeit‘ besagt, dass man mit der Zeit fortschreiten muss. Wenn die Zeit nach einem Übermaß verlangt und man das Maß überschreitet, so ist dies kein Verfehlen, sondern die Schicklichkeit der Zeit; dies eben ist es, was man Rechtsein nennt.

Auf dem Weg von Xiaoguo bringt ein Übermaß in kleinen Dingen Heil; der Tuan-Kommentar begründet dieses Heil aus den Anlagen des Gua: Das Nachgiebige hat die Mitte erlangt – die Sechs an zweiter Stelle (liu-er) und die Sechs an fünfter Stelle (liu-wu) nehmen jeweils die Mitte ein.

Die nachgiebige Yin-Kraft erlangt die Richtige Position (dangwei) und vermag so in kleinen Dingen Heil herbeizuführen, nicht aber große Taten zu vollbringen. Die feste Kraft hat ihre Stellung eingebüßt und steht nicht in der Mitte; darum darf man keine großen Dinge vollbringen.

Große Taten lassen sich ohne die Kraft eines festen Yang nicht vollenden; die Drei steht nicht in der Mitte, die Vier hat ihre Stellung verloren – aus diesem Grunde darf man keine großen Dinge vollbringen.

Die Zeit von Xiaoguo schließt große Taten von Natur aus aus, und die Anlagen des Gua reichen für Großes nicht hin; darin stimmen sie mit der Zeit überein.

‚Es liegt das Bild des fliegenden Vogels vor‘: Dieser Satz passt nicht zum übrigen Gefüge des Tuan-Kommentars; vermutlich ist eine Glosse späterer Ausleger irrtümlich in den Text des Tuan geraten.

Innen fest und außen weich bildet das Abbild eines fliegenden Vogels; da das Gua dieses Bild birgt, nimmt man den fliegenden Vogel zum Gleichnis. Die Dinge verlangen zuzeiten nach einem Übermaß, um dem Gegebenen zu entsprechen; doch wie dürfte man maßlos übertreiben?

Es verhält sich wie mit übergroßer Ehrerbietung, übergroßer Trauer oder übertriebener Sparsamkeit: Ein großes Übermaß ist unzulässig, darum verbleibt man im kleinen Übermaß.

Das Übermaß sollte wie der verhallende Ruf eines fliegenden Vogels sein: Der Vogel fliegt hurtig dahin; kaum erschallt sein Ruf, ist sein Körper schon vorübergezogen – doch wie könnten sie sich je völlig voneinander trennen?

So steht es auch um Angelegenheiten, die ein Übermaß erfordern: Der Körper kann sich nicht weit von seinem Laut entfernen; die Handlung darf die gewohnte Norm nicht allzu weit hinter sich lassen, alles beruht auf dem rechten Maß.

‚Es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben‘ greift abermals den Vogellaut auf, um den Sinn williger Ergebenheit zu verdeutlichen: Der Weg des Übermaßes gleicht dem verhallenden Ruf eines fliegenden Vogels.

Wenn ein Laut sich gegen die Richtung nach oben müht, fällt es schwer; senkt er sich willig nach unten, geschieht es leicht. So ist der Donner auf dem Berg hoch und gewaltig, und darin liegt das Übermaß.

Der Weg des Übermaßes bringt Heil, wenn man willig voranschreitet; wie der verhallende Ruf des fliegenden Vogels gebietet es sich, nachzugeben.

Man überschreitet das Maß nur, um dem Schicklichen zu folgen; und vermag man dem Schicklichen zu folgen, so gereicht dies zu großem Heil.

Yichuan YizhuanGroßes Bild

Der Donner rollt auf den Bergen, sein Hall übertrifft das gewohnte Maß; darum heißt es Xiaoguo. In den Angelegenheiten der Welt gebietet sich bisweilen ein Übermaß, doch darf man niemals über die Maßen gehen; daher nennt man es Xiaoguo.

Betrachtet der Edle das Bild von Xiaoguo, so strengt er sich in jenen Dingen an, in denen ein Übermaß geboten ist: Bei seinem Wandel geht er über in der Ehrfurcht, bei der Totenklage geht er über in der Trauer, bei seinen Ausgaben geht er über in der Sparsamkeit.

Das Maß zu überschreiten, wenn die Zeit es verlangt, das ist das Geziemende; es zu überschreiten, wenn es nicht geboten ist, das wäre ein Verfehlen.

Zhouyi ZhuUrteil

Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Klagelaut, voll Trauer sucht er eine Bleibe; steigt er weiter empor, findet er vollends keinen Ort, senkt er sich herab, erlangt er Ruhe. Je höher er strebt, desto auswegloser wird die Not; nichts gleicht hierin dem fliegenden Vogel.

Zhouyi ZhuTuan-Kommentar

Das Kleine meint all die geringfügigen Angelegenheiten; wer im Kleinen das Maß überschreitet, der dringt durch. Wer das Maß überschreitet und dadurch die Förderung der Beharrlichkeit wahrt, der entspricht dem Gebot der Zeit.

Bringt man das Übermaß in Ehrfurcht und Sparsamkeit zur Anwendung, so wahrt man die heilsame Beharrlichkeit. Große Werke zu vollbringen, vermag allein die feste Kraft. Wenn das Nachgiebige allmählich anwächst, so ist dies der Weg von Die Zersplitterung (alt: Bō) (hexagram-23).

‚Es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben‘ ist eben das Bild des fliegenden Vogels. Nach oben zu streben bedeutet, die feste Kraft zu bedrängen, was Widerstand ist; sich nach unten zu wenden bedeutet, das Yang willig zu tragen, was Ergebenheit ist.

Wendet man ein Übermaß an, wo Widersetzlichkeit herrscht, gibt es kein größeres Unheil; wendet man das Übermaß dort an, wo Ergebenheit waltet, so wandelt sich der Fehler gar zum Heil.

Zhouyi ZhengyiUrteil

Von „Xiaoguo, Gelingen“ bis „großes Heil“. Der gerechte Sinn lautet: Bei „Xiaoguo, Gelingen“ ist „Xiaoguo“ der Name des Gua.

Wang Bi merkte unter dem Hexagramm Daguo an: „Der Laut meint das Einander-Übertreffen.“ Aus Sorge, man könnte es im Sinne von Verfehlung oder Vergehen deuten, fügte er jene phonetische Glosse bei. Demnach entspricht die Bedeutung von „Xiaoguo“ genau jener Stelle.

Ein Übermaß in kleinen Dingen nennt man Xiaoguo, genau wie es heißt: „Im Wandel geht er über in der Ehrfurcht, in der Trauer geht er über im Schmerz.“ Meister Chu sagte: „Dies meint, dass der Wandel des Gemeinen geringfügige Verfehlungen aufweist, weshalb der Edle übermäßig edelmütig und gewissenhaft handelt, um dies auszugleichen – vergleichbar dem Fuchspelz des Yanzi.“ Weil hier die gemeinen Menschen Verfehlungen begehen, übt der Edle ein Übermaß an Tugend; dies bedeutet jedoch keineswegs, dass der Name des Gua primär als sittliche Verfehlung auszulegen wäre.

Der Tuan-Kommentar sagt: „Xiaoguo: Das Kleine hat das Übergewicht und erlangt Gelingen.“ Wenn gesagt wird, dass man durch das Übermaß Gelingen erlangt, so erhellt daraus, dass es sich nicht um eine Verfehlung handelt.

Deshalb bestimmte Wang Bi bei Daguo die Aussprache genau, um klarzustellen: Wenngleich die Bedeutung beiläufig an Verfehlungen rühren mag, bezieht sich der Name wesentlich darauf, dass der Edle in seinem Handeln über das Maß hinausgeht.

Dass Meister Zhou und andere diesen Zusammenhang nicht begriffen und den Namen des Gua schlicht als Verfehlung deuteten, ging weit am Ziel vorbei. Überschreitet man das Maß in kleinen Dingen, so bleibt der Weg offen, darum heißt es: „Xiaoguo, Gelingen“.

„Fördernd ist Beharrlichkeit“ bedeutet: Um die Welt zurechtzubringen und die Sitten zu läutern, liegt der Gewinn darin, zur rechten Ordnung zurückzukehren; daher heißt es: „Fördernd ist Beharrlichkeit“.

Was „Kleine Dinge dürfen getan werden, große Dinge dürfen nicht getan werden“ betrifft, so liegt dies an der Zeit.

Liegen geringfügige Abweichungen vor, so kann man dies nur durch kleine Handlungen berichtigen, nicht aber durch große Umwälzungen ordnen; daher heißt es: „Kleine Dinge dürfen getan werden, große Dinge dürfen nicht getan werden“.

„Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf; es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben: großes Heil“: Dies bedient sich eines Gleichnisses, um zu verdeutlichen, dass übermäßiges Handeln teils Heil, teils Unheil birgt.

Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Klagelaut und sucht voll Kummer eine Ruhestatt. Fliegt er zu hoch hinaus, findet er erst recht keinen Ort; senkt er sich nach unten, verliert er seine Sicherheit nicht.

Dies dient dem Edlen zum Bilde: Weilt er in Zeiten der Verwirrung und übt er ein Übermaß an Tugend, so gereicht es zum Heil, wenn er willig den rechten Platz einnimmt; setzt er sich aber trotzig widersetzend zur Wehr, erwächst daraus Unheil.

Daher heißt es: „Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf; es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben: großes Heil.“ Nachzugeben heißt, Demut zu üben und sich an das Niedrige zu halten; sich zu widersetzen heißt, den Fürsten anzutasten und sich über die Oberen zu erheben.

Daher wird die Ergebenheit oder Widersetzlichkeit des Untertanen mit dem Aufstieg und Abstieg des Vogels verglichen. Zur Glosse: Von „Der fliegende Vogel“ bis „sucht eine Bleibe“.

Der gerechte Sinn lautet: „Der fliegende Vogel hinterlässt seinen Ruf, voll Trauer sucht er eine Bleibe“ – „hinterlassen“ (yi) meint hier das Verlieren des rechten Tons.

Wenn ein Vogel seinen Laut verliert, geschieht dies gewiss aus äußerster Bedrängnis, da er keine sichere Ruhestatt findet. Im Lunyu heißt es: „Steht der Vogel vor dem Tod, so ist sein Rufen klagend.“ Daraus erkennt man, dass der hinterlassene Ruf ein Klagelaut ist.

Zhouyi ZhengyiTuan-Kommentar

Der gerechte Sinn lautet: Dies erklärt den Namen von Xiaoguo. Zugleich erhellt daraus, dass Xiaoguo die Tugend des Gelingens besitzt: Im Handeln bei kleinen Dingen über das Maß zu gehen, heißt Xiaoguo.

Folgt man der Zeit und bessert die Sitten, so dringt man trotz des Übermaßes durch; darum heißt es: „Das Kleine hat das Übergewicht und erlangt Gelingen“.

Der gerechte Sinn lautet: Dies erklärt die Tugend der heilsamen Beharrlichkeit, die man dadurch erlangt, dass man über das Gewöhnliche hinausgeht.

Doch wenn man das Krumme überbiegt, um es geradezurichten, geschieht dies allein aus zeitlicher Notwendigkeit und darf keine dauerhafte Regel sein; daher heißt es: „Man wandelt mit der Zeit“.

Der gerechte Sinn lautet: Dies legt anhand der Tatsache, dass die Sechs an zweiter Stelle (liu-er) und die Sechs an fünfter Stelle (liu-wu) sanft die Mitte einnehmen, während die Neun an vierter Stelle (jiu-si) ihre Stellung verfehlt und nicht in der Mitte steht und die Neun an dritter Stelle (jiu-san) zwar ihre Stellung hat, aber nicht die Mitte wahrt, den Sinn von „Kleine Dinge dürfen getan werden, große Dinge dürfen nicht getan werden“ dar.

Ein sanft nachgiebiger Mensch vermag nur kleine Dinge zu verrichten; da er sanft ist und die Mitte besitzt, trifft er die Zeit für das Kleine im rechten Maß; daher heißt es: „Kleine Dinge bringen Heil“.

Ein kraftvoll fester Mensch hingegen vermag große Dinge zu vollbringen; verfehlt er jedoch seine Stellung und steht nicht in der Mitte, so verfehlt er bei großen Taten das rechte Maß der Zeit; daher heißt es: „Große Dinge dürfen nicht getan werden“.

Der gerechte Sinn lautet: Zur Erklärung, warum kein anderes Wesen als Gleichnis gewählt wird, sondern allein der „fliegende Vogel“, dient der Umstand, dass man nicht emporsteigen, sondern unten verweilen soll – darin liegt das Abbild des fliegenden Vogels beschlossen.

Der gerechte Sinn lautet: Dies erklärt anhand der Tatsache, dass die Sechs an fünfter Stelle (liu-wu) auf der Härte der Neun an vierter Stelle (jiu-si) reitet, während die Sechs an zweiter Stelle (liu-er) das Yang der Neun an dritter Stelle (jiu-san) von unten stützt, warum es heißt: „Es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben: großes Heil“.

Nach oben zu streben bedeutet, sich der Härte widersetzend auf sie zu setzen, was Ungehorsam ist; unten zu verweilen bedeutet, das Yang willig zu tragen, was Gehorsam ist.

Daher heißt es: „Es ziemt sich nicht hinaufzusteigen, es ziemt sich unten zu bleiben: großes Heil“, denn das Höherstreben ist Widerstand, das Untenbleiben aber Hingabe.

Zhouyi ZhengyiGroßes Bild

Der gerechte Sinn lautet: Wo der Donner hervorbricht, bricht er für gewöhnlich nicht aus der Erde hervor; bricht er nun aber auf dem Berge hervor, so übertrifft er seinen angestammten Ort, daher heißt es „Xiaoguo“.

Die Verfehlung des gemeinen Mannes liegt in Nachlässigkeit, Leichtfertigkeit und Prunksucht; darum gleicht der Edle dies aus, indem sein Wandel übergeht in Ehrfurcht, seine Trauer übergeht im Schmerz und sein Aufwand übergeht in Sparsamkeit.

Quellen

I Ging · #62 Das kleine Übergewicht → Almanach zu diesem Datum →