Die Wahre Bedeutung sagt: Das Erregende bedeutet Bewegung. Dies ist das Hexagramm, das den Donner abbildet; es ist die Schreckensgewalt des Himmels in Bewegung, darum trägt es den Namen Das Erregende.
Wenn das Erregende seine Macht entfaltet, gibt es niemanden, der nicht erschrickt. Wird durch die furchtgebietende Macht Furcht geweckt, so ordnen sich alle Dinge wohl.
Weil man durch Furcht zum Durchdringen gelangt, besitzt Das Erregende die Tugend des Gelingens; darum heißt es: »Das Erregende bringt Gelingen.«
Die Wahre Bedeutung sagt: »Hui, hui!« ist der Ausdruck von Furcht und Zittern. »Ha, ha!« ist der Laut frohen Lachens und Sprechens.
Das Wirken des Erregens ist der zornige Donner des Himmels, womit Lässigkeit und Trägheit gezüchtigt werden; braust der Sturmwind und rollt der Blitz, so ändert der Edle seine Miene.
Auf menschliche Verhältnisse angewandt, bedeutet dies, dass strenge Zucht und Lehre im Reich walten.
Wenn das Erregen naht, fürchtet sich daher ein jeder; darum heißt es: »Das Erregen naht: hui, hui!« Wenn die Menschen sich fürchten, wagen sie kein Unrecht mehr, bewahren ihren Segen, und so folgt die Fülle heiterer Worte; darum heißt es: »Lachende Worte: ha, ha!«
Zu »Der Donner schreckt auf hundert Meilen, er verliert nicht Löffel und Opferwein«:
Die Wahre Bedeutung sagt: Der Löffel dient zum Heben der Kesselspeisen; der Opferwein ist der Würztrank. Beide dienen der hohen Feier im Ahnentempel.
Überträgt man Das Erregende auf Menschen, so stellt es den ältesten Sohn dar; der älteste Sohn ist der rechtmäßige Erbe des Obenstehenden, dem einst das schwere Amt zufällt. Zieht er aus, so befehligt er das Heer; bleibt er daheim, so wacht er über den Staat.
Seine furchtgebietende Macht erschüttert auf hundert Meilen; er vermag den Ahnentempel und die heiligen Gefäße sowie die Opferspeisen zu wahren, ohne sie zu verlieren. Darum heißt es: »Der Donner schreckt auf hundert Meilen, er verliert nicht Löffel und Opferwein.«
Zum Kommentar von »Schreckt die furchteinflößende Macht über hundert Meilen« bis »Pracht des Ahnentempels«:
Die Wahre Bedeutung sagt: Frühere Gelehrte sagten allesamt: Der Schall des Donners ist auf hundert Meilen zu vernehmen. Wenn die Herrscher des Altertums Länder absteckten, so betrug das Gebiet eines Fürsten hundert Meilen im Geviert, daher nahm man dieses Bild.
Nach meiner bescheidenen Ansicht hallt der himmlische Donner gewiss weiter als nur hundert Meilen; doch weil bei der alten Landteilung hundert Meilen das Höchstmaß waren und König Wen den Spruch zur Zeit der Yin-Dynastie verfasste, um darzutun, dass die Schreckensgewalt des ältesten Sohnes über ein ganzes Land reichte, sprach er von »hundert Meilen«.
Zu »Der Löffel dient zum Heben der Kesselspeisen, der Opferwein ist der Würztrank«: Lu Ji sagt: »Der Löffel ist aus Dornenholz gefertigt und dient zum Schöpfen aus dem Kessel.« Frühere Gelehrte sagen übereinstimmend: Die Form des Löffels gleicht dem Kescher, nur ohne Gabelung.
Er wird aus Dornenholz gemacht, ist drei Fuß lang, und Stiel wie Ende sind beschnitzt. Im Buch der Lieder heißt es: »Krumm gebogen ist der Dornenlöffel.« Man nimmt das Dornenholz, um die Lauterkeit eines treuen Herzens zu versinnbildlichen.
Nach dem Opferritus kocht man zuerst die Opfertiere im Kessel, bringt sie sodann in die Ding-Kessel und deckt sie zu.
Will man opfern, hebt man die Decke ab, nimmt das Fleisch mit dem Löffel heraus und legt es auf die Opfertische – darum heißt es: »Der Löffel dient zum Heben der Kesselspeisen.« Was den Opferwein betrifft, so meinte Zheng Xuan, es sei Wein aus schwarzer Hirse, dessen Duft sich lieblich verbreitet (chang), weshalb man ihn »Chang« nenne.
Im Kommentar zum Buch der Lieder heißt es hingegen, Chang sei ein aromatisches Kraut. Im Buch Wangzhi steht: »Der Himmelssohn opfert Chang-Kraut, die Fürsten Xun-Kraut, die Großen Lan-Kraut.« Demnach ist Chang offenkundig ein Kraut.
Dass hier ausdrücklich von »Löffel und Opferwein« die Rede ist, erklärt Zheng Xuan so: »Für den Fürsten sind beim Opferritus das Schlachttier und der Opferwein das Wesentliche, das Übrige fällt nicht ins Gewicht.«