Wasser und Feuer verzehren einander, und der Wille der beiden Töchter stimmt nicht überein: Darum heißt es Umwälzung.
„Xi“ (息) bedeutet Stillstand, zugleich aber auch neues Wachstum; erst wenn ein Ding zum Stillstand kommt, entsteht Neues, darum wohnt ihm der Sinn des Lebens inne. Bei der Umwälzung meint das wechselseitige Verzehren das Vergehen des Alten.
„Am eigenen Tage findet man Vertrauen“: Man wandelt um und gewinnt Glauben. Wenn die Dinge sich wandeln, wie sollten die Herzen der Menschen sogleich Vertrauen fassen? Erst wenn der Tag sich vollendet hat, fassen sie Glauben.
Steht man oben und geht an Neuerungen, muss man Weisungen sorgfältig darlegen und Befehle wiederholen, bis der eigene Tag anbricht und die Menschen Vertrauen fassen. Glauben die Herzen nicht daran, vermag selbst erzwungenes Handeln kein Werk zu vollenden.
Wohl gab es Verordnungen früherer Könige, an denen die Herzen anfangs zweifelten; doch mit der Zeit fassten sie gewiss Vertrauen: Dass aber ohne tiefes Vertrauen eine weise Ordnung gelungen wäre, hat es nie gegeben.
„Klarheit und Heiterkeit schaffen großen Durchgang durch Beharrlichkeit. Wandelt man treffend, schwindet die Reue.“
Aus den Begabungen des Gua wird der Weg der Umwälzung dargelegt: Li steht für geistige Klarheit, Dui für Heiterkeit.
Birgt man Klarheit, so bleibt kein Grundsatz unergründet und kein Ding undurchschaut; birgt man Heiterkeit, so stimmen die Herzen willig zu.
Vermag man im Wandel die Ordnung der Dinge zu durchleuchten und die Herzen der Menschen zu erfreuen, so stiftet man großen Durchgang und bewahrt die reine Beharrlichkeit. Wird der Wandel in solch vollendeter Angemessenheit geführt, so schwindet jede Reue.
Wenn Dinge unter dem Himmel nicht auf die rechte Weise gewandelt werden, stiften sie nur neuen Schaden; darum wohnt jeder Neuerung der Keim zur Reue inne. Erst wenn der Wandel die höchste Richtigkeit trifft, verweht die Reue über Altes wie Neues gleichermaßen.
„Himmel und Erde wandeln sich, und die vier Jahreszeiten vollenden sich. Tang und Wu vollzogen den Wandel des Himmelsmandats im Einklang mit dem Himmel und als Antwort auf die Menschen.
Wie gewaltig ist doch die Zeit der Umwälzung!“
Führt man den Weg der Umwälzung zu seinen Höhen, so reicht er an den Wandel von Himmel und Erde und den Lauf der Zeiten heran.
Das Auf- und Absteigen von Yin und Yang zwischen Himmel und Erde bringt durch steten Wechsel die vier Jahreszeiten hervor; alle Wesen wachsen, reifen und vollenden sich darin, jedes an seinem rechten Ort: Erst durch den Wandel vollenden sich die Zeiten!
Geht eine Zeitepoche zu Ende, muss unausweichlich Erneuerung eintreten. Erhebt sich ein wahrer König, empfängt er sein Mandat vom Himmel; darum nennt man den Herrscherwechsel den Wandel des Mandats (Revolution).
Die Könige Tang und Wu folgten nach oben dem Willen des Himmels und entsprachen nach unten den Herzen der Menschen: im Einklang mit dem Himmel und als Antwort auf die Menschen.
Dass der Himmelsweg sich wandelt und die Weltläufe sich erneuern, ist das Erhabenste aller Wandlungen; darum preist der Kommentar: „Wie gewaltig ist doch die Zeit der Umwälzung!“
Das Bild spricht: Im See lodert Feuer: das Bild der Umwälzung.
So ordnet der Edle die Zeitrechnung und erhellt die Jahreszeiten. Das wechselseitige Verzehren von Wasser und Feuer bildet den Wandel, und Ge bedeutet Wandlung.
Schaut der Edle auf das Bild der Umwälzung, so berechnet er den Lauf von Sonne, Mond und Gestirnen, ordnet den Kalender und macht die Folge der vier Zeiten offenbar.
Denn unter allen Wandlungen in den Dingen gibt es kein Geschehen, das größer, keine Ordnung, die klarer, und keine Spur, die sichtbarer wäre als der Wechsel der vier Jahreszeiten.
Wer die vier Zeiten betrachtet und dem Wandel folgt, stimmt mit der Ordnung von Himmel und Erde überein.